- - Interview mit Rocco Damm & Frank Hansen 05.2024 - -

Frank Hansen
CIO Portfolio Management

Der erfahrene Asset-Manager und Experte für europäische Small und Mid Caps verantwortet seit 2018 als CIO Portfolio Management die Anlagestrategien des Portfoliomanagements.

In seiner neuen Position zeichnet Hansen für die standardisierten Vermögensverwaltungsmodelle in den Referenzwährungen CHF, USD, EUR und GBP verantwortlich. Dabei managt er die auf Einzeltiteln und Fonds basierenden Portfolios auf Grundlage der strategischen und taktischen Sicht des Investment Offices und bringt darüber hinaus seine Erfahrung in den Bereich der Reuss Fonds und spezifisch in die vor 2 Jahren lancierten RP Europa Small & MidCap-, RP Europa Large Cap- und RP Global Equities Fonds als Mandatsverantwortlicher ein.

Frank Hansen blickt bereits auf eine 30-jährige Karriere als Fondsmanager zurück – unter anderem als Mitgründer des UBS European Small Cap Fund Anfang der 1990er-Jahre. Nach verschiedenen Stationen bei der UBS in Frankfurt und Zürich wechselte der ausgebildete Chartered Financial Analyst 1997 zum DIT, der Fondstochter der Dresdner Bank (heute Allianz Global Investors). Dort übernahm Hansen unter anderem das Management der Fonds Allianz European Small Cap und Allianz Nebenwerte Deutschland. Seit 2002 hatte er in der Funktion des CIO European and German Small & Mid Caps bei Allianz Global Investors ein zehnköpfiges Anlageteam aufgebaut, das zuletzt mehr als 5 Mrd. Euro Vermögen für institutionelle Investoren verwaltet hat.

Interview Rocco Damm und Frank Hansen 05.2024

 

RD:  Wie sehen Ihre aktuellen Konjunkturerwartungen aus?

        Region Deutschland/Europa sowie USA

        Aktien /Emerging Markets

 

FH: Die Weltwirtschaft entwickelt sich derzeit nicht synchron. Die Emerging Markets wachsen mit 5-6% recht gut. Die USA weisen ein Wachstum von etwa 2,5% auf, das durch eine unterstützende Fiskalpolitik gefördert wird. Das Wachstum im exportorientierten Europa bleibt jedoch schwach. Europa befindet sich derzeit in einer Phase der Stabilisierung. Insgesamt wird die Weltwirtschaft in den nächsten Monaten moderat wachsen; eine Rezession ist nicht wahrscheinlich.

 

RD:  Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung der Inflation in den USA und in Europa ein?

 

FH: Die Inflation hat sich in letzter Zeit deutlich zurückgebildet und nähert sich den Zielmarken der Zentralbanken von 2%. Wir gehen davon aus, dass die Inflationsraten aus strukturellen Gründen langfristig eher bei etwa 3% liegen werden. Die demografische Entwicklung in den meisten Ländern sowie der Trend zur De-Globalisierung haben hier einen Einfluss.

 

RD:  Sind die Aktienmärkte nach den Anstiegen der letzten Monate und teilweise neuen

        Höchstständen in den Indizes zu optimistisch?

 

FH: Der Optimismus in den Märkten ist nicht unbegründet. Die Unternehmensgewinne, insbesondere in den USA, sind deutlich besser ausgefallen. Auch in Europa waren die Ergebnisse mehrheitlich gut. Allerdings sind die Erwartungen hinsichtlich der zeitlichen Abfolge der Zinssenkungen der Notenbanken und der Entwicklung der Zinskurve wohl zu optimistisch. Wir gehen davon aus, dass die kurzfristigen Zinsen stärker sinken werden als die langfristigen Zinsen.

 

RD:  Es wird vermutet, dass es einige nichtrealisierte Verluste in den Bilanzen der Banken gibt.

 

FH:  In der Tat, die Rückstellungen der Banken für Kreditausfälle erscheinen gering angesichts möglicher Ausfälle, beispielsweise bei gewerblichen Immobiliarkrediten. Die Banken erzielen jedoch seit geraumer Zeit Rekordgewinne aufgrund hoher Zinsmargen. Eventuell zusätzlich erforderliche Risikovorsorge sollte daher gut verkraftbar sein. Kursverluste in den Anleiheportfolios der Banken werden durch das Halten bis zur Fälligkeit egalisiert und sind daher beherrschbar. Insgesamt ist der Sektor als robust zu bezeichnen.

 

RD:  Wird Gold wieder zum sicheren Hafen?

 

FH: Gold im Portfolio stellt eine Versicherung gegen mögliche große Krisen dar. Aktuell wird der Goldpreis durch Käufe von Zentralbanken und neuerdings auch von chinesischen Privatinvestoren gestützt, was die jüngsten starken Preissteigerungen erklärt. Eine Goldposition gehört in jedes Portfolio.

 

RD:  Wir sehen im Bereich Immobilien viele verschobene oder nicht mehr realisierte Vorhaben.

        Immobilieninvestoren können momentan kaum geplante Verkäufe realisieren und haben daher                                                 

        eine eingeschränkte Liquidität. Wird sich das bereinigen?

 

FH: Insbesondere bei gewerblichen Immobilien gibt es strukturelle Probleme. Der Onlinehandel und das Homeoffice-Phänomen spielen hier eine Rolle. Darüber hinaus führen gestiegene Baukosten und der schnelle Anstieg der Zinsen zu sehr unterschiedlichen Kaufpreisvorstellungen. Es braucht ein besseres Wirtschaftswachstum, um den Markt wieder in Gang zu bringen. Bei Wohnimmobilien sieht es wegen stabiler bis steigender Mieten besser aus. Aber auch hier drücken Zinsen und Regulation (Mietpreisbremsen, Bauvorschriften und energetische Anforderungen) auf die Renditen und die Stimmung der Investoren. Hier müssen von der Politik realistische und stabile Rahmenbedingungen geschaffen werden. Der Druck zum Handeln ist aufgrund des Wohnungsmangels, insbesondere in den Ballungsgebieten, groß.

 

RD:  Wie ist Ihre Einschätzung zur Entwicklung der Leitzinsen?

 

FH: Die Leitzinsen werden sinken. Die EZB wird im Juni den Anfang machen und zunächst eine Reduktion um 0,25% vornehmen. Weitere Reduktionen werden in diesem Jahr folgen, spätestens im Laufe von 2025 bei sich erholender Wirtschaft wird sich das Fenster für weitere Zinssenkungen schließen. In den USA ist der Inflationsdruck noch größer, daher werden die Zinssenkungen dort später einsetzen und im Ausmaß geringer ausfallen.

 

RD:  Sie fahren momentan ein moderates Cash in den Portfolios.

        Wie werden Sie dort agieren?

 

FH: Cash stellt im derzeitigen Umfeld im Wesentlichen eine Transaktionskasse dar, um bei Opportunitäten in den Finanzmärkten schnell reagieren zu können.

 

 

 

RD:  Welche Länder und Branchen werden präferiert?

 

FH: Wir sind in unseren Kundenportfolios breit aufgestellt. Dies gilt sowohl für die Branchenallokation als auch für die geografischen Schwerpunkte. Weiteres Aufholpotenzial sehen wir insbesondere in Europa, aufgrund des hohen Bewertungsabschlags gegenüber den US-Märkten und des größeren Zinssenkungspotenzials. Wir mögen Industrieunternehmen, die von der Elektrifizierung der Wirtschaft profitieren. Ebenfalls bevorzugen wir den Technologiesektor, der vom Aufkommen der künstlichen Intelligenz beflügelt wird. Auch sollten nach längerer Durststrecke Small Caps und die Emerging Markets anfangen, Teile ihres hohen Aufholpotenzials einzuholen. Die Partizipation an attraktiven Themen stellen wir sowohl mit Fondslösungen als auch mit Einzeltiteln dar.

 

RD:  Wie ist Ihre Vorgehensweise bei der Auswahl von Einzeltiteln?

 

FH: Der Schwerpunkt bei der Aktienauswahl liegt auf Qualitätstiteln. Qualität definieren wir anhand einer umfangreichen Checkliste, in der die wesentlichen Erfolgsfaktoren beurteilt werden. Dazu gehören die Attraktivität des Marktes, in dem die Firma tätig ist (bevorzugt Wachstumsmärkte), und die Marktposition (Marktführer), die sie einnimmt. Wir präferieren Technologieführer oder Firmen, die starke Marken besitzen. Ein vertrauenswürdiges und nachweislich erfolgreiches Management unterstützt diese positiven Faktoren. Zuletzt sollte die Bewertung der Aktien die Potenziale nicht schon vorweggenommen haben. Wir verfolgen einen GARP-Ansatz (Growth at a Reasonable Price) bei der Aktienauswahl, das heißt, wir investieren in Wachstum, aber zu einem vernünftigen Preis.

 

RD:  In Sachen Reuss Private in den letzten Monaten.

        Konnte dort im Bereich Personal neues know how gewonnen werden? 

 

FH: Wir sind in den Kernbereichen Asset-Allokation, Aktienauswahl und Anleihenmärkte schon gut aufgestellt. Trotzdem haben wir im Hinblick auf Innovationen und Stabilität unseres Ansatzes unsere Ressourcen verstärkt. Neu haben wir einen Junior Portfolio Manager eingestellt, der neue Ideen einbringt und allgemein mit Unterstützungsfunktionen betraut ist.

 

 

RD: Vielen Dank für das Interview!

Ihr Gastgeber

Aus verantwortlicher Position bei einer namhaften deutschen Privatbank zeichnete er u.a. für das Wertpapiergeschäft verantwortlich und gründete Ende der 90er Jahre eine der ersten privaten Vermögensverwaltungen in den neuen Bundesländern mit. Im Jahr 2000 Mitgründer des ersten Dachfonds für Aktien in den neuen Bundesländern, Preise für mehrere erste und zweite Plätze, für das Fondsmanagement 5 Sterne bei Morningstar. 2017 Gründung der „Rocco Damm Vermögensverwaltung AG“ und erfolgreiche Zusammenarbeit mit der „Reuss Private Bank für Wertpapierhandel AG“ als Niederlassungsleiter für diese in Dresden, hervorragendes Portfoliomanagement für Privatkunden, dieses mittlerweile größten, unabhängigen Vermögensverwalters und Effektenhändlers der Schweiz.

Rocco Damm